Wertschätzung von Verpackungen
– Johann Kogge –

Wertschätzung von Verpackungen
– Johann Kogge –
Der Dauerbeutel ist ein Wertschätzungskonzept, das der Vermeidung von Einwegverpackungen dient. Es wird für jede verzichtete Einwegtüte ein Punkt auf dem Stoffbeutel aufgebracht. Über die Dauer der Zeit entsteht ein Muster, das die Attraktivität des Beutels steigert, aber auch Aufschluss über das Kaufverhalten der Konsumierenden gibt. Der Beutel wird als Kampagne der Stadt Halle zur Verfügung gestellt, kann aber auch durch das Färben vorhandener Stoffbeutel mit Haushaltsmitteln selber präpariert werden.
Unser Konsumverhalten wird durch ständig verfügbare Einkaufsmöglichkeiten geprägt, die bei uns spontane Bedürfnisse wecken. Da wir häufig unvorbereitet einkaufen und daher keine Tasche bei uns haben, wird oft zur Tüte gegriffen. Dies führt zu einem Übermaß an Einwegverpackungen, die eine logistische Herausforderung für unseren Planeten darstellen. Maßnahmen, wie das EU-weite Plastiktütenverbot, bannen zwar einen Teil der Plastiktüten aus dem Kreislauf, aber Papiertüten benötigen ebenfalls viele Ressourcen und überlasten das Recycling zunehmend. Mehrwegtaschen aus Baumwolle müssten viele Jahre verwendet werden, um ihrem materiellen Aufwand gerecht zu werden. Auch alternative Einwegprodukte ändern unser Verhalten nicht. Gesetzliche Änderungen könnten eine Wirkung erzielen, etwa durch Neubepreisung von Einwegprodukten oder Steuervergünstigungen für umweltfreundliche Alternativen. Aber deutlich wird, es müsste ein Servicevorschlag erarbeitet werden, der das Wiederverwenden von Mehrwegtaschen attraktiver macht. Auch wäre es denkbar, Transportmöglichkeiten in Alltagsgegenstände oder Accessoires zu integrieren, damit sie ungeachtet eines Konsumvorhabens immer mitgeführt werden. Als Vorschlag habe ich den Beutelschal entworfen, der als gewöhnlicher Schal verwendet wird und im Falle eines Einkaufs befüllt werden kann. Wichtig ist hierbei, dass das Umfunktionieren die ursprüngliche Funktion nicht einschränkt. Anreizmechanismen wie Sammelpunktaktionen oder Abonnements binden Kund:innen an bestimmte Geschäfte und lassen eine Beziehung entstehen. Wieso sollte das nicht mit dem Verpackungsmittel selbst funktionieren? Jede nicht in Anspruch genommene Tüte wird durch einen Stempel auf dem Beutel vermerkt. Der Verzicht lässt über die Zeit ein Muster entstehen. Es lässt sich nun am Beutel erkennen, wie das Einkaufverhalten ist. Der Wunsch, das Muster weiterzuführen, gibt einen Anreiz, immer an den Beutel zu denken. Gefärbt wird mit Rotkohl, denn der enthält Cyanidin. Das ist ein Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Anthocyane, der als natürlicher Säure-Base-Indikator funktioniert. Wird eine Lauge auf die bläuliche Farbe gegeben, schlägt sie ins Grüne um. Wird eine Säure aufgetragen, ergibt sich ein Pink. Ist der Beutel gefärbt, kann er im Geschäft mit dem Umfärber verschönert werden. Dieser enthält Natronlösung oder Essig und gibt einen gezielten Tropfen Lösung auf den Beutel. Sofort entsteht ein grüner oder pinker Punkt. Wichtig ist, dass dieser Prozess den Verkaufsabslauf nicht unterbricht. Daher wird der Umfärber auf dem Verkaufstresen aufgestellt und kann von der Verkaufsseite aktiviert werden. Die Kund:innen müssen nur ihre Beutel am Färbekopf platzieren. Das geht auch, wenn der Beutel bereits gefüllt ist. Damit die Punkte nicht wild auf dem Beutel verteilt werden, ist zur Orientierung ein Raster auf den Beutel gebügelt. Durch eine Kampagne des Stadtmarketings wird der Beutel an die Bürger:innen verteilt, beispielsweise wenn sie sich ummelden. In allen teilnehmenden Geschäften können nun die Punkte gesammelt werden. So entsteht auch im Stadtbild ein sichtbares Zeichen und eine Aufmerksamkeit. Da es aber ebenso wichtig ist, all jene Stoffbeutel aus ihren Schubladen zu holen, können auch diese mit Hausmitteln umgefärbt werden und in den Sammelmodus übergehen.
entstanden im Projekt Sorry, we are open!