Brillen im Kreislauf
– Rita Zeinar –

LoopLens sind modulare, einfach reparierbare Brillen, die durch einen integrierten Rückgabeservice im Kreislauf bleiben. An städtischen Annahmestellen gesammelt, werden sie zur Produktions- und Reparaturzentrale transportiert, wo alle Komponenten aufbereitet oder dem Materialkreislauf zurückgeführt werden. Durch das flexible Design können Nutzer:innen Module individuell anpassen – sei es für Funktion, Stil oder Materialwahl. Die Konstruktion basiert auf einem Scharniersystem, das die Spannung des Expanderbands nutzt, um alle Elemente der Brille zu verbinden. Dadurch wird eine neuartige Handhabung erprobt. Module lassen sich unkompliziert austauschen, sodass das Produkt langfristig im Nutzungskreislauf bleibt.

Keine Zustimmung für Vimeo gegeben. Das eingebettete Video wird deshalb nicht angezeigt.

Video bei Vimeo ansehen

Die Entwicklung meines Konzepts begann mit der Auseinandersetzung, Analyse und Erstellung eines Life-Cycle-Mappings von Brillen. Nach ausführlicher Recherche und der Anwendung verschiedener Design-Methoden aus dem Buch Delft Design Guide von Roos van der Schoor und Annemiek van Boeijen ergaben sich klare „Hotspots“, die es wert waren, bearbeitet zu werden – zum Beispiel Lesebrillen, die schnell kaputtgehen und denen wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. In dieser Ideationsphase fokussierte ich mich auf die Kreislauffähigkeit von Brillen und deren Ermöglichung. Ich entwickelte einen Ansatz, um Brillen mit einem unkaputtbaren Scharnier auszustatten. Textilien und Expanderbänder aus dem Outdoor-Bereich erwiesen sich als äußerst strapazierfähig. Also warum nicht auch bei Brillen anwenden? Durch ein 1,5 mm dickes Expanderband und einzelne Metallmodule kreierte ich ein System, das alle Bestandteile einer Brille zusammenhält und dennoch flexibel bleibt. Alle verwendeten Materialien können entweder wiederverwendet, dem Materialkreislauf zurückgeführt oder biologisch abgebaut werden. Die Edelstahl-Module sowie die Gläser aus Polycarbonat sind vollständig recycelbar. Das Expanderband aus Naturkautschuk, mit einer Baumwollummantelung, ist für eine langfristige Nutzung ausgelegt, bis es das Ende seiner Lebensdauer erreicht und biologisch abgebaut wird.
Durch den Gestaltungsentwurf und den Service möchte ich auch jene Menschen erreichen, die bisher wenig Berührungspunkte mit umweltfreundlichen und nachhaltigen Konzepten hatten, oder nicht die Zeit dafür. Das Konzept soll zugänglich sein, Neugier wecken und Spaß machen – sowohl bei der Pflege als auch beim Konsum der Brillen, ohne Verluste. Der Service gewährleistet eine große Auswahl an Anpassungsmöglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnisse, wodurch die Brillen stetig im Kreislauf bleiben. Das Konzept erstreckt sich auf drei Akteure: Nutzer:innen, Märkte in städtischen Gebieten (sowie alternativ den Online-Markt) und die Produktions- und Reparaturzentrale. Es findet ein ständiger Austausch statt. Ist ein Modul beschädigt (zum Beispiel verbogen), kann es einfach zurückgegeben oder per Post eingesendet werden. Alle Module können nachgekauft oder im Laufe der Nutzung an verschiedene Situationen angepasst werden. So sind unterschiedliche Materialien erhältlich, wie zum Beispiel Edelstahl für den alltäglichen Gebrauch oder Titan für Situationen, in denen die Brille besonderen Belastungen ausgesetzt ist. In der Ausformulierung der Form erzielte ich einen futuristischen, frischen Charakter, der nicht zu extravagant, aber dennoch neuartig wirken soll. Das Unbekannte soll das Gewohnte beeinflussen, ohne zu verunsichern. Durch die zwei Materialien – das Expanderband und Metall – entwickelte ich ein ausgewogenes Zusammenspiel. Dem eher kühl wirkenden Metall setzte ich einen konkreten Farbakzent durch das Expanderband entgegen. Die unterschiedlichen Beschaffenheiten und Funktionen der Materialien werden sichtbar. So entsteht eine farblich abgestimmte Komposition, die von Verbraucher:innen mitgestaltet werden kann und viel Spielraum bietet. Daraus entstand eine Kollektion aus drei geschlechtsneutralen Brillen, die durch den Service in verschiedenen Größen und Anpassungen konfiguriert werden können. Das erste Modell mit dem Titel Minimal aus Edelstahl und gelbem Expanderband wirkt modern und visualisiert den modularen Aufbau. Das Expanderband dient als Nasenauflage und bietet Tragekomfort. Die Brille eignet sich als Lesebrille, da der Blick beim Tragen der Form folgend leicht gesenkt wird. Das Modell Cool Trixi, ebenfalls aus Edelstahl und gelbem Expanderband, hat klare Rundungen, wirkt frisch und dynamisch und eignet sich für den alltäglichen Gebrauch. Die Sonnenbrille Shady Lou mit Gläsern in 85-prozentiger grünlicher Tönung, Modulen aus Edelstahl und einem dunkel-türkisen Expanderband ist ebenfalls für den Alltag gestaltet. Das Design ist etwas geradliniger, und durch die grünliche Tönung der Gläser wird die Umgebung des Sichtfelds leicht grünlich gefärbt – der Wunsch nach einer „grünen“ Welt wird sichtbar.