– Julius Zieger –

PatchPhones sind eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kopfhörern, die oft schwer zu reparieren sind. Ihr modularer Aufbau mit minimalen, leicht austauschbaren Komponenten verhindert unnötigen Elektronikmüll. Eine herstellerunabhängige 2,54 mm Schnittstelle ermöglicht die Nutzung günstiger Standardmodule. Eine Online-Plattform unterstützt den Austausch von Wissen, Ersatzteilen und Erweiterungen.

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In Deutschland hören Menschen durchschnittlich 21 Stunden pro Woche Musik oder ähnliche Inhalte – ein großer Teil davon unterwegs. Dabei spielen Kopfhörer eine zentrale Rolle, insbesondere Bluetooth-Modelle, die immer beliebter werden. Diese Geräte sind jedoch oft nur schwer zu reparieren, Ersatzteile sind unverhältnismäßig teuer oder gar nicht nachkaufbar. Aus diesem Grund werden viele Kopfhörer bereits bei kleineren Defekten entsorgt, obwohl die meisten Bauteile noch voll funktionsfähig sind. Aktuell wird Kleinelektronik kaum recycelt, wodurch enorme Mengen wertvoller Ressourcen frühzeitig aus dem Wertschöpfungskreislauf ausscheiden. PatchPhones sind modulare Kopfhörer, die auf einfache Reparatur und flexible Modifikation ausgelegt sind. Die gesamte Konstruktion wurde so weit wie möglich vereinfacht und auf ein Minimum an Einzelteilen reduziert. Jedes Bauteil ist problemlos demontierbar, sodass es im Falle eines Defekts einfach ausgetauscht werden kann. Das Kabel, das die beiden Kapseln verbindet, lässt sich einfach aus- und wieder einfädeln in das Band, das als Kopfpolster dient. Auch dieses kann problemlos vom Bügel gelöst werden. Die Ohrpolster bestehen aus Wollfilz – einem biotischen Material, das sich leicht abbauen und umweltfreundlich entsorgen lässt. Da es sich um ein Monomaterial handelt, ist keine Materialtrennung erforderlich. Zudem können die Polster mühelos von den Kapseln gelöst, gewaschen oder bei Bedarf ausgetauscht werden. Alle elektronischen Bauteile sind herstellerunabhängig erhältlich. Dies wird durch eine zentrale Schnittstelle ermöglicht, die auf dem 2,54-mm-Pinabstand basiert. Dieses Rastermaß hat sich als Quasi-Standard in der Elektronik etabliert. Kompatible Module sind von zahlreichen Herstellern verfügbar, kostengünstig und einfach zu integrieren. Nutzer*innen können somit mühelos Ersatzteile beschaffen und ihre Geräte eigenständig reparieren. Ein vollständiger Neukauf des Kopfhörers wird dadurch überflüssig, und defekte Teile können fachgerecht entsorgt werden. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von teuren, oft monopolisierten Ersatzteilen aufgehoben. Die elektronischen Bauteile sind alle steckbar, sodass – wie auch beim Rest des Kopfhörers – kein Werkzeug für Reparaturen benötigt wird. Eine Website vernetzt Nutzer*innen, die sich gegenseitig bei der Problemanalyse unterstützen, nicht mehr benötigte Teile tauschen oder handeln sowie eigene Erweiterungen und Ideen entwickeln und teilen können. Außerdem werden alle Ersatzteile einzeln angeboten, die nicht herstellerunabhängig verfügbar sind. Eine Linksammlung erleichtert die Suche nach diesen Bauteilen, um schnell kompatible Komponenten zu finden. So in ein offenes Ökosystem, das Reparatur erleichtert, Ressourcen schont und die Weiterentwicklung der Kopfhörer durch die Community fördert.