Am dritten Tag unserer Exkursion stehen wir in Berlin-Reinickendorf vor einem Kaufhaus. Es sind noch einige Minuten bis zur täglichen Öffnungszeit, und wir warten nicht allein. Das Kaufhaus heißt NochMall und hat seit seiner Eröffnung vor vier Jahren bereits einen zuverlässigen Kundenkreis aufgebaut. Der Slogan zum Markennamen steht groß über dem Eingang: „Alles außer Neu“.
Nebenan treffen die ersten Lieferungen des Tages ein. Zwei hauseigene LKW-Ladungen werden entladen und über eine Rampe in die Aufbereitungs- und Lagerflächen des Gebäudes gebracht. Sie wurden auf Werkstatthöfen der Berliner Stadtreinigung (BSR) in separaten, der NochMall gewidmeten Containern gesammelt und finden nun ihren Weg zurück in den Kreislauf. Gleichzeitig kommen Menschen an die Rampe, die ihre aussortierten, aber noch funktionstüchtigen Gegenstände vorbeibringen. Auch einen Abholservice bietet die NochMall an, um die 2.600 Quadratmeter große Verkaufsfläche zu füllen. Dort angekommen wird alles inspiziert und sortiert.
Die NochMall versteht sich als ein Erlebnisort für Kreislaufwirtschaft. Neben den 30.000 Artikeln – hauptsächlich Kleidung, Haushaltswaren und Bücher –, die ordentlich sortiert und in angenehmem Licht in den Regalen stehen, findet man auch Upcycling-Produkte, die in kleiner Stückzahl verkauft werden. Dazu gehören Badevorleger aus geflochtenem Altplastik und zu Uhren umfunktionierte Schallplatten. Elektrogeräte werden in der Mall intern geprüft und mit einer einjährigen Garantie verkauft.
In der zweiten Etage, hinter den Büchern und CDs, stehen auf einer großen Fläche Tische und Stühle. Dort befindet sich das hauseigene Café/Restaurant mit Kuchen und warmer Küche, daneben das extern betriebene Reparaturcafé. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen und Workshops zu Reparatur und Selbstbau statt.
Alle Mitarbeitenden, die uns an diesem Tag in der NochMall begegnen, scheinen Freude an ihrer Arbeit zu haben. Es wirkt, als würden alle gemeinsam an etwas Sinnvollem und Eigenem arbeiten. Bis 2027 soll die NochMall mit ihren 51 Mitarbeitenden schwarze Zahlen schreiben, sonst droht die BSR mit dem Abzug der Gelder. Selbstbewusst hält das Haus mit seiner Position als Leuchtturmprojekt dagegen: „Jede größere Stadt in Deutschland hat bereits ein Gebrauchtwarenkaufhaus dieser Größe. Viele davon kommen nach Berlin, um von uns zu lernen.“