Besuch der Studios von Joris de Groot & Suzanne Oude Hengel

17.10.2024 Arnhem (NL)

Im Rahmen unserer Exkursion in die Niederlande besuchten wir Joris de Groot und Suzanne Oude Hengel in ihren Studios. Die beiden arbeiten auf dem Gelände des Industrie Parks Kleefse Ward in benachbarten Studios. Joris Praxis ist durch seine besondere Herangehensweise an Projekte gekennzeichnet. Er  entwickelt mit lokalen Unternehmen, auf der Basis einer vertrauten Technik und maschinellen Verfahren etwas Neues. Das kann man gut anhand seiner Bachelor Arbeit in Kooperation mit Dolfing sehen. Dort entdeckte er das erste Mal das Folien Schweissen und Schneiden für sich. Auf dem so gewonnenen Wissen baut auch seine Folded Kollektion auf. 2018 entwickelte er in Kooperation mit Freudenberg den 2000N Schuh. Dieser ist von der Technik des Thermoformens inspiriert. Er besteht aus geformten Auto-Fußmatten, die aus Polyester bestehen und sich so sehr gut formen lassen. An diesen Schuh wird dann mit einer Strobelnaht, die auch bei den Teppichen eingesetzt wird, die Sohle genäht. Suzanne hat während ihrer Ausbildung ihren Fokus auf das Stricken gelegt und sich vor allem auf das digitale Stricken und die Technik der Strickmaschine eingearbeitet. Hauptsächlich befasst sich ihre Arbeit mit dem Schuhen, da sie die Herausforderung dieses hochkomplexen Produkts, welches in einem Teil mehrere Materialqualitäten aufweisen muss, schätzt. Sie hat bereits mit großen Schuhfirmen wie Timberland zusammengearbeitet und verfolgt auch eigene Recherche. So forscht sie beispielsweise an plissiertem Strick sowie dreidimensionalem Abstandsgewebe. Beide haben an der Residency des Schuhmuseums in Walwijk teilgenommen und beschlossen, dort  an einem Kooperationsprojekt zu arbeiten. Auf einer Messe stießen sie auf das Material “TPU Garn”. Somit war es möglich, mit der Schweißtechnologie den Strickupper und die gedruckte Sohle zu kombinieren. Die Sohle kann somit nahtlos an den oberen Teil angefügt werden und der Schuh besteht nur aus einem einzigen Material. Die beiden zeigten uns die zahlreichen Samples, die sie im Rahmen des Projektes, auch mithilfe von BASF angefertigt haben. Schon am nächsten Tag sollten diese auf der Dutch Design Week gezeigt werden. So konnten wir auch einen Einblick in das Ausstellungsdesign erhalten.

Text: Carla Wirths

Besuch der Firma AlgaePARC

18.10.2024 Bennekom (NL)

Während unserer Exkursion hatten wir die Möglichkeit, den AlgaePARK in Bennekom zu besuchen, eine führende Einrichtung für die Forschung an Algenkultivierung. Das Zentrum wurde 2015 gegründet und ist mit zahlreichen kleinen Glasbehältern sowie großen Tanks ausgestattet, die bis zu 1.700 Liter fassen. In diesen Tanks wird CO₂ gebunden, das für das Wachstum der Algen essentiell ist. Ein Großteil des benötigten CO₂ wird jedoch von den Algen selbst produziert. Innerhalb weniger Wochen kann ein einzelner Tank bis zu fünf Kilogramm Biomasse erzeugen. Das Nährmedium ist von Beginn an im Wasser enthalten, und die Algen werden durch das Einblasen von Luft kontinuierlich in Bewegung gehalten. Ein ununterbrochener Wasserkreislauf ist erforderlich, da die Glasbehälter sonst brechen könnten.
Das angegliederte Labor ermöglicht es, das Verhalten der Algen unter verschiedenen Bedingungen zu testen. Ein wichtiger Faktor ist die Lichtzufuhr: Während es technisch möglich ist, Lichtquellen mit bis zu dreifacher Sonnenintensität zu erzeugen, ist dies nicht für alle Algenarten ideal. Zu viel Licht kann das Wachstum hemmen, weshalb das Verhältnis von Lichtintensität und Algenmenge präzise gesteuert werden muss. Strenge Umweltauflagen stellen sicher, dass keine Algen in den Boden oder in die Kanalisation gelangen. Zudem ist es nicht erlaubt, die dort kultivierten Algen für die menschliche Ernährung zu nutzen, da Chlor zum Einsatz kommt. Die Verwendung als Tierfutter hingegen ist gestattet. Der AlgaePARK dient als zentrale Forschungsstelle für die Optimierung von Algenprozessen und bietet eine wichtige Plattform zur Weiterentwicklung nachhaltiger Nutzungsmöglichkeiten.
Der Besuch des AlgaePARKs war eine wertvolle Station unserer Exkursion und lieferte spannende Einblicke in die Forschung und die Herausforderungen der Algenkultivierung.

Text: Frederick Ostertag

Besuch des Museums Schoenenkwartier

18.10.24 Waalwijk

Die Stadt Waalwijk ist ein ehemaliges Zentrum der Leder- und Schuhindustrie in den Niederlanden, was auf die Eigenschaften der Region zurückzuführen ist. Sauberes Grundwasser und die vielen Wiesen bildeten eine ideale Grundlage für die ehemalige Rinderzucht. Das Museum Schoenenkwartier zeigt die Geschichte der regionalen Leder- und Schuhindustrie anhand einer umfangreichen Daueraustellung. 27 Stationen, bestückt mit verschiedenen Maschinen, Verarbeitungsständen und Modellen führen beispielhaft durch die verschiedenen Schritte der Lederherstellung und Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Herrenschuh. Neben der Ausstellung im Erdgeschoss erstrecken sich ich über zwei weitere Etagen Schaukästen und Vitrinen mit einer Vielzahl verschiedener Schuhmodelle. Historische Paare aus aller Welt stehen im Kontrast zu Kuriositäten, Konzeptschuhen und Sneakermodellen der letzten Jahre. Integriert im Erdgeschoss befinden sich ein Atelier und eine Werkstatt, die vor allem mit Maschinen aus der Leder- und Schuhindustrie bestückt ist und für Workshops gebucht werden kann. Ansonsten werden sie vornehmlich von den Designern verwendet, die an einer 3-monatigen Residency teilnehmen. Aktuell verortet im Atelier ist der Designer Michel Gallus, welcher im Rahmen der Residency sein Studienprojekt „HIDE“ im Schoenenkwartier weiterentwickelt. „HIDE“ ist ein modulares Schuhsystem, welches sich auf das Material Leder beschränkt und in Form des monomaterialbasierten modularen Systems ohne Nähte oder Klebungen auskommt. Ästhetisch orientiert sich der Schuh bewusst an Midtop Sneakern, um sich so gestalterisch klar von sonstigen Lederschuhen abzugrenzen. Michel Gallus erklärte in seinem Atelier vor allem die Weiterentwicklungsbestrebungen der Sohle, so experimentiert er sowohl mit spatenmodellartigen Stecksystemen, um eine Midsole zu kreieren, aber auch mit einer Holzform, mit welcher sich ganze Lederstücke tiefziehen lassen.

Text: Paul Lemke

Besuch der Dutch Design Week 2024

19.10 2024 Eindhoven (NL)

Zwei Tage lang besuchten wir die Dutch Design Week. Das jährliche Designfestival in Eindhoven bot eine Vielzahl an Ausstellungen, Veranstaltungen und Vorträgen, bei denen nationale und internationale Designer*innen die Türen zu ihren Ateliers öffneten und ihre Arbeiten präsentierten. Das diesjährige Thema lautete „REAL UNREAL“. Mit dem Schwerpunkt Schuhe ließen wir uns von dem breiten Angebot inspirieren, tauschten uns mit anderen aus und versuchten, so viele Eindrücke und Informationen wie möglich aufzunehmen.

Besuch des Next Nature Museums

20.10.2024 Eindhoven (NL)

Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir das Next Nature Museum in Eindhoven. Es ist ein internationales Future Lab für Design und Technologie, das sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie Technologie und Natur zunehmend miteinander verschmelzen. Mit Ausstellungen, Publikationen, Bildungsprogrammen und Events lädt das Next Nature Museum ein, sich mit Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen. Die Besucher*innen werden mit Fragen konfrontiert wie z.B. Wie werden wir in Zukunft leben und produzieren? Können wir Fleisch züchten, ohne Tiere zu schlachten? Was passiert, wenn das Künstliche als natürlich empfunden wird? Die aktuelle Ausstellung “Space Farming” hat uns besonders angesprochen. Hier wird nicht nur gezeigt, wie wir die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nachhaltiger gestalten können, sondern auch, welche Rolle Biotechnologie, synthetische Nahrungsmittel und geschlossene Kreislaufsysteme in einer zukünftigen Gesellschaft spielen könnten – sei es auf der Erde oder auf einem anderen Planeten. Besucher*innen können sich spielerisch mit spekulativen Ernährungskonzepten auseinandersetzen und bekommen gezeigt, dass diese Technologien längst nicht mehr nur Zukunftsvisionen sind, sondern bereits erforscht und teilweise realisiert werden. Die Idee, Materialien wachsen zu lassen, anstatt sie industriell herzustellen, ist beispielsweise nicht nur in der Lebensmittelproduktion relevant, sondern auch für andere Designfelder – z.B. in der Produktgestaltung. Ein Beispiel ist das Projekt Rayfish Footwear, das mit der Idee spielte, Sneakers aus genetisch modifizierter Fischhaut zu züchten. Auch wenn es sich letztlich um ein künstlerisches Konzept handelte, zeigte es eine spannende Denkweise: Könnten wir eines Tages Schuhe oder Kleidung nicht mehr aus separaten Materialien zusammensetzen, sondern direkt in der gewünschten Form kultivieren? Neben den technologischen und wissenschaftlichen Perspektiven wurde uns bei unserem Museumsbesuch auch eine meditative Erfahrung geboten: die Breathing Session von Geoffrey Lillemon. Diese digitale Meditation nutzte Klang, visuelle Effekte und Raumgestaltung, um eine immersive Atmosphäre zu schaffen, die zur mentalen Entspannung beitrug. So konnten wir uns vor der langen Autofahrt nochmal richtig entspannen und den Museumsbesuch reflektieren.

Text: Nena Ellermann

Besuch der BioArt Laboratories

20.10.2024 Eindhoven (NL)

Die letzte Station unserer Exkursion waren die BIOART LABORATORIES. Die Labs konzentrieren sich auf die Entwicklung innovativer Materialien und kreativer Lösungen. Sie richten sich an ein breites Publikum von Designer*innen, Künstler*innen, Forscher*innen, Bioprofis und Studierenden, die interdisziplinär an der Schnittstelle von Wissenschaft, Natur, Technologie und Kreativität arbeiten wollen. Die Labs bieten Zugang zu einem Laborraum, Biomaterialien, Fachwissen und einem Netzwerk von Expert*innen sowie viel Raum zum Experimentieren.