Partizipatives Produzieren von Sportgeräten
– Richard Bassek –

Partizipatives Produzieren von Sportgeräten
– Richard Bassek –
Das Format Sportwerkstatt soll allen Menschen einen Zugang zu sportlichen Aktivitäten, unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohnsitz oder Einkommen ermöglichen, immer perfekt abgestimmt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer*in. Ob in öffentlichen Institutionen oder privat Zuhause, in Eigenmoderation oder im angeleiteten Workshop. Mit den im „Sportwerkstatt“ Handbuch enthaltenen Materiallisten und Anleitungen, können passende Sportgeräte für die lokalen Voraussetzungen gebaut und mit einer Auswahl an Übungen direkt ausprobiert werden.
Ein Workshop für Kinder und Jugendliche kann nicht nur Bewegung und Kreativität fördern, sondern auch Teamgeist, handwerkliche Fähigkeiten und ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum schaffen. Der Workshop im Treff im Quartier (TiQ) kombinierte das partizipative Gestalten funktionaler Sportgeräte mit der Schnittstelle zwischen handwerklicher Fertigung und innovativer Technologie wie dem 3D-Druck. Die Teilnehmenden hatten so die Möglichkeit, ihre kreativen Ideen in einem strukturierten Rahmen umzusetzen. Zum Einstieg gab es eine kurze Einführung in den FDM-3D-Druck. Hierbei wurde nicht nur die Technik erklärt, sondern auch direkt ein Druckvorgang gestartet, der als zeitlicher Rahmen für den Workshop diente. Anschließend bildeten die Teilnehmenden 3 Teams, um mithilfe der zugewiesenen Anleitungen ein Teil des Endproduktes in der Gruppe herzustellen. Das Gesamtbild entstand erst beim Zusammentragen aller Gruppenergebnisse. Dieser Ablauf wurde bewusst gewählt, um die Dynamik der Gruppe zu fördern und eigene Interpretationen in der Umsetzung zu gewährleisten. Nach der Fertigung konnten sich die Teilnehmer*innen kreativ entfalten und ganz individuell oder mit vorgefertigten Stickern die einzelnen Bauteile gestalten, um einen emotionalen Bezug zu den kreierten Sportgeräten zu schaffen. Am darauffolgenden Tag gab es die Möglichkeit, die fertigen Geräte gemeinsam zu testen. Hierbei wurden gezielt Übungen durchgeführt, um die Funktionalität zu erproben und den Spaß an der Bewegung zu fördern. Im Workshop für Lebensältere lag der Fokus auf der Beanspruchung kognitiver und motorischer Fähigkeiten. Mithilfe des bereitgestellten Materials in Form von gebrauchten Fahrradschläuchen sowie den Anleitungen aus dem Sportwerkstatt-Handbuch bauten die Teilnehmerinnen eigenständig Widerstandsbänder. Das Ziel war dabei, die erlernten Techniken später eigenständig zu Hause weiterführen zu können, wodurch nicht nur ein einmaliges Erlebnis geschaffen wird, sondern auch eine nachhaltige Grundlage für weitere „sportliche“ Betätigung. Um das Sportwerkstatt-Format langfristig als wertvolle Ressource für Bildungseinrichtungen, Jugend- und Seniorenzentren sowie private Projekte zu etablieren, sind zusätzliche Touchpoints notwendig. Diese könnten beispielsweise durch Kooperationen mit Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen geschaffen werden. Auch die Integration in bestehende Freizeitprogramme oder Messeauftritte bietet Potenzial, das Konzept einer breiteren Zielgruppe zugänglich zu machen. Weiter wären auch digitale Angebote, wie eine Online-Plattform mit Anleitungen, Tutorials und Austauschmöglichkeiten denkbar. Aber auch Netzwerktreffen und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte könnten angeboten werden, um das Konzept nachhaltig in verschiedene Bildungsbereiche zu integrieren. Mit einer weiter optimierten Version des Handbuchs, die in zielgruppenspezifische Kapitel unterteilt ist, sowie einem umfassenden „Komplettpaket“ bestehend aus Organisation, Material-/Werkzeugbeschaffung und Durchführung, könnte der Workshop auch für Träger mit projektbezogenen Geldern eine wertvolle Ergänzung sein. Die Grundlage des Sportwerkstatt-Konzeptes bleibt jedoch im Sinne von Aristoteles, gemeinsam ein Ganzes zu schaffen, welches mehr ist als die Summe seiner Teile.
entstanden im Projekt Sorry, we are open!