Individuelle Komponenten für ein Regal nach Bedarf
– August Bach –

Individuelle Komponenten für ein Regal nach Bedarf
– August Bach –
Das Konzept "Verlagerung" ist ein flexibles Regalsystem, das bestehende Konsumpraktiken aufbricht und auf sie Rücksicht nimmt. Es besteht aus stabilen Papp-Elementen für Böden und Streben sowie langlebigen Verbindungselementen aus Metall und Kunststoff. Die Pappteile können nach Nutzung einfach im Altpapier entsorgt und recycelt werden, während die langlebigen Komponenten zurückgesendet, geprüft und wiederverwendet werden. Der Zusammenbau erfolgt werkzeuglos mit einem Cutter zur Anpassung der Maße. So passt sich das Regal jeder Raumsituation an und kann bei Bedarf verändert werden. "Verlagerung" bietet eine umweltfreundliche Lösung für moderne Wohnbedürfnisse, indem es Ressourcen schont und eine verantwortungsvolle Nutzung leicht macht.
Das Konzept "Verlagerung" erforscht alternative Möglichkeiten zur Organisation von Wohnraum durch Regale, Sideboards und ähnliche Möbel. Es berücksichtigt konventionelle Nutzungsverhalten und zeigt einen Weg auf, wie sich Schäden durch eine Anpassung der Materialien an die erwartete Nutzungsdauer verringern lassen. Die gängige Praxis, Möbel durch günstige Produkte aus dem Möbelhandel zu ersetzen, hat dazu geführt, dass die Nutzungsdauer vieler Möbelstücke immer kürzer wird. Dies wiederum stellt ein wachsendes Problem dar, da aufwendig hergestellte, nicht recyclebare Möbel zunehmend entsorgt werden müssen. Das Möbelstück "Verlagerung" setzt genau hier an. Es besteht aus zwei wesentlichen Komponenten: kurzlebige Elemente, wie Regalböden und Streben aus Altpapier-Papprohren und -platten, die in großen Margen effizient produziert werden, und langlebige Verbindungselemente, also kompakte Bauteile aus Kunststoff und Metall, die gezielt
wiederverwendet oder recycelt werden können. Das Konzept berücksichtigt die unterschiedliche Lebensdauer dieser Materialien. Die langlebigen Verbindungselemente können, sobald sich die Wohnumstände der Nutzer ändern und das Möbelstück nicht mehr benötigt wird, einfach zurückgeschickt werden. Dies erfolgt mit der Motivation, einen Anteil des ursprünglichen Kaufpreises erstattet zu bekommen. Die sperrigen Pappteile hingegen lassen sich unkompliziert im Altpapier entsorgen. Nach der Entsorgung werden die Papp-Elemente gesammelt und recycelt. In Recyclinganlagen werden sie in Wasser aufgelöst, von Verunreinigungen befreit und zu neuer Papierpulpe verarbeitet. Diese Pulpe wird anschließend zu neuen Papierbahnen geformt, getrocknet und erneut genutzt – beispielsweise für die Produktion neuer Kartons oder Papprohre. Die langlebigen Bauteile aus Polypropylen und Stahl durchlaufen nach der Rücksendung eine Prüfung auf Funktionalität und Abnutzung. Sind sie weiterhin verwendbar, werden sie erneut in den Vertrieb gebracht, um ihre Nutzungsdauer zu maximieren. Sollte der Verschleiß zu groß sein, werden die Materialien sortiert und dem Recycling zugeführt. Dadurch amortisiert sich der höhere Herstellungsaufwand dieser Bauteile durch eine längere Gesamtlebensdauer und eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes. Ein wesentlicher Vorteil des Regals "Verlagerung" ist seine hohe Anpassungsfähigkeit. Der Zusammenbau erfordert lediglich einen Cutter, um die Pappteile individuell auf die gewünschte Größe zuzuschneiden. Das System ermöglicht eine stufenlose Anpassung in Höhe, Breite und Länge, sodass es sich flexibel an verschiedene Raumsituationen anpasst. Darüber hinaus können Nutzer das Regal im gleichen Nutzungszeitraum nachträglich verkleinern oder erweitern, indem sie Böden und Rohre erneut zuschneiden. Der Name "Verlagerung" trägt eine doppelte Bedeutung. Er verweist einerseits auf die räumliche Flexibilität des Möbelstücks, andererseits auf die strukturelle Verlagerung von Produktions- und Konsumprozessen. Das Konzept reflektiert bestehende Konsumgewohnheiten, die zur Wegwerfkultur beitragen, ohne zu versuchen, diese fundamental zu verändern. Die konventionelle Massenproduktion ist darauf ausgelegt, durch Trends, Werbung und Preissenkungen einen hohen Absatz zu generieren – was zwangsläufig zu einer frühzeitigen Entsorgung von Möbeln führt. Das Konzept "Verlagerung" kann diesen Mechanismus nicht durchbrechen, aber es bietet eine Möglichkeit, den damit verbundenen Ressourcen- und Energieverlust zu reduzieren. Gleichzeitig wirft das Konzept grundlegende gesellschaftliche Fragen auf: Ist das der einzig gangbare Weg, anhand von vornherein kurzlebiger, dafür energieeffizienter Materialien der frühen Entsorgung Rechnung zu tragen, oder sind wir bereit, unsere Konsumgewohnheiten so zu verändern, dass wir die Wegwerfkultur überwinden? Ist es realistisch, eine Rückkehr zu langlebigen Möbeln anzustreben, die für Generationen gedacht sind? Wie können industrielle Fertigungsprozesse nachhaltiger gestaltet werden, ohne dass wirtschaftliche Interessen dem entgegenstehen? "Verlagerung" ist somit nicht nur ein Möbelkonzept, sondern steht auch stellvertretend für Richtungsentscheidungen, wie wir als Gesellschaft Kreislaufwirtschaft in Verbindung mit schnelllebigen und dynamischen Lebensweisen denken können.
entstanden im Projekt Sorry, we are open!