Das Projekt 'archeofabula - tales of time and self' knüpft an die methodischen Ansätze des Projekts 'Chronodrobe – autofictive archeology' an und setzt die interdisziplinäre Auseinander- setzung mit Modedesign als narrative und kulturelle Praxis fort. Der Projekttitel verweist sowohl auf das im vorangegangenen Semester entstandene Recherchearchiv als auch auf das Fabulieren als eine spekulative Technik zur Generierung neuer gestalterischer Ideen. Ziel des Projekts ist es, die Grenzen zwischen autobiografischer und fiktionaler Darstellung im Modedesign auszuloten, indem sich die Studierenden intensiv mit der Fiktionalisierung ihrer biografischen Recherche auseinandersetzen. Durch autofiktionale Methoden sollen nicht nur individuelle Erfahrungen in die gestalterische Praxis überführt, sondern zugleich allgemeinere Thesen zur Wechselwirkung von Identität, Zeit und Materialität in Mode und Bekleidung formuliert werden.
Ein weiteres zentrales Anliegen des Projekts ist die Entwicklung einer kohärenten gestalterischen Gesamtstrategie. Studierende sollen ein Konzept erarbeiten, das die Gestaltung aller Aspekte der Kollektion miteinander verknüpft. Dies umfasst die systematische Festlegung von Produktgruppen, Proportionen, Techniken, Details, Farbschemata, Texturen und Materialitäten. Durch serielle Gestaltung und Variantenbildung werden verschiedene methodische Zugänge erprobt, um durch ihre Auswahl eine konsistente gestalterische Sprache innerhalb der Kollektion zu entwickeln.
Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die analytische Auseinandersetzung mit etablierten Designpositionen, sowie geeigneter Literatur im Selbststudium. Hierbei soll die eigene Arbeit im Vergleich mit Arbeiten und Konzepten renommierter Designer*innen reflektiert werden, sowie relevante literarische Texte, die besonders für einen Transfer der erzählerischen Methoden in die gestalterische Praxis geeignet sind, in das Projekt eingebracht und diskutiert werden.
Das Projekt wird mit einem Workshop beginnen, in dem bereits entstandene Outfits in einem offenen Gruppendialog analysiert werden. Dabei soll die intendierte Wirkung der jeweiligen Designer*innen vorerst keine Beachtung finden, sondern die unvoreingenommene Beobachtung einer Analyse der intrinsischen Wirkkraft der Entwürfe dienen und neue Perspektiven auf gestalterische Entscheidungen öffnen.
Ein weiterer Workshop legt den Fokus auf digitale Gestaltungstechniken. Mittels Photoshop und anderer digitaler Werkzeuge wird ein individuelles Bildarchiv erstellt, welches dabei die Grund- lage für die digitale Konstruktion von Silhouetten, Kleidungsstücken und gestalterischen Details bildet. Ziel dieses Prozesses ist es, digitale Werkzeuge in die Entwurfsgestaltung zu integrieren. Dieser Workshop wird am Ende des Semesters fortgeführt und inhaltlich um die digitale Erstellung von Präsentationsbüchern erweitert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der industrietypischen Kommunikation der Entwürfe und der Erstellung eines professionellen Präsentationsbuches.
Zum Abschluss des Projekts erfolgt ein Styling-Workshop, in dem die entwickelten Outfits in ihrem Gesamtzusammenhang betrachtet und für eine finale Präsentation vorbereitet werden. Das gestalterische Ziel des Projekts ist die Erweiterung der bestehenden Kollektion um drei weitere Outfits sowie die illustrative Gestaltung einer vollständigen Kollektion von insgesamt acht Outfits und entsprechender Präsentationsmedien.
Durch diese intensive Auseinandersetzung mit experimentellen Designmethoden, digitalen Entwurfstechniken und professioneller Präsentationsgestaltung wird das Projekt 'archeofabula - tales of time and self' nicht nur die gestalterische Praxis der Studierenden erweitern, sondern auch einen substanziellen Beitrag zur interdisziplinären Reflexion der Mode als narrative und identitätsbildende Praxis leisten.