Der Kurzfilm des Students der Zeitbasierten Künste David Kind feierte seine Premiere auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2024 (nominiert im Deutschen Wettbewerb Kurzfilm).
U.a. wurde er bereits von AG Kurzfilm in Kooperation mit German Films auf dem Marktscreening "Matinée Allemande 2025" des Festival du Court-Métrage Clermont-Ferrand gezeigt sowie im Goethe-Institut China in Peking.
Ebenfalls zu sehen sein wird “In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen” auf dem diesjährigen 37. Filmfest Dresden (nominiert im Mitteldeutschen Wettbwerb) und dem 22. Kurzsuechtig Kurzfilmfestival Leipzig.
In der Wohnung meiner Mutter sind viele Türen - David Kind
Kurzfilm, 2024, 18 Min
Wir alle kennen Fotos mit übermalten oder ausgeschnittenen Gesichtern. Wie ein Refrain wirkt die Hand, die Familienaufnahmen mit Stiften und anderen Gerätschaften bearbeitet und wiederholt eingeblendet wird. Die Auslöschungsversuche sind hörbar. Sie übertragen sich als Missklang auf den Körper. Zerkratzen, verfremden, wegmachen. Meistens den Kopf einer Frau. Auch wenn der Erzähler in der dritten Person spricht, auch wenn die Hand womöglich nicht die seine ist, könnten es eigene Erfahrungen sein. Im Zentrum der eher fragmentarischen Schilderungen steht eine Mutter, die ihre Kinder prügelt und quält. Es ist eine Kindheit in permanenter Angst. Wie geht man mit den Erinnerungen und Narben im Erwachsenenalter um? Lässt sich das Erlebte überhaupt mit Worten fassen? Warum sind einem die Geschwister, die dasselbe Leid erlitten haben, seltsam fremd? David Kinds essayistische Annäherung an das Trauma der Gewalterfahrung fällt fragend aus. Äußerst behutsam werden die titelgebenden Türen geöffnet.
(Anke Leweke)