Am Donnerstag, den 29.04., um 18 Uhr im Rahmen der digitalen Vortragsreihe "Routes of Empathy" stellt Susanne Bürner im Gespräch mit Prof. Stella Geppert ihre künstlerische Arbeit vor.

Am Donnerstag, den 29.04., um 18 Uhr im Rahmen der digitalen Vortragsreihe "Routes of Empathy" stellt Susanne Bürner im Gespräch mit Prof. Stella Geppert ihre künstlerische Arbeit vor.
Der Begriff der Empathie in der künstlerischen Arbeit von Susanne Bürner
“I wanted to be able to merge with whatever I found beautiful—usually things in nature or things for which I felt an affinity. I can remember embracing a tree in the hope that I myself would change into one.” (Vera Lehndorff, Trans-figurations. London: Thames & Hudson, 1983, p.145)
Mit Empathie verbinde ich Einfühlung bis zur Selbstaufgabe. Genau deshalb ist dieser Zustand interessant, weil er fragil ist und die eigene Identität infrage stellen kann. Der Zustand kann für andere bedrohlich wirken und sein, da es nicht immer, wie meist vorgegeben wird, um das Mitgefühl mit den anderen geht, sondern oft vielmehr darum, dass die empathische Person sich selbst besser fühlt und am Ende aus der Situation profitiert. Mich interessiert ausserdem der damit verbundene Aspekt der physischen Transgression: Ein Körper verbindet sich mit dem anderen, wird ganz der andere oder das Andere. Wo liegen die räumlichen Grenzen der Körper?
In meinen Arbeiten taucht Empathie auf unterschiedliche Art und Weise auf. In dem Film A House of One's Own versuchen die Teilnehmenden im Rahmen einer systemischen Aufstellung die Bedürfnisse eines Hauses nachzufühlen. In der Fotoserie Seide für V.B., A.P., B.D. und M.A. geht es darum, die Rolle von Frauen in einem gewissen Kontext verständlich zu machen, die Anfang des 20. Jhdt. Seide gestohlen hatten. In den Bildern der Serie wirkt die abfotografierte Seide wie eine Membran, die von Schnitten durchbrochen und von Händen durchdrungen ist.
Kunst kann Empathie als einen von vielen Wegen des Verstehens aufzeigen und gleichzeitig Strategien des nicht authentischen Mitfühlens bloßlegen.
Artist Statement
Susanne Bürner arbeitet mit fotografischen Bildern. Sie schafft Situationen, die mit dem Wiedererkennen und unserer Projektion auf das Abgebildete spielen - und auf das, was im Bild nicht zu sehen ist. Das können Gegenstände oder Menschen sein, aber auch Geschichten, die sich außerhalb des Bildes abspielen. Das führt zu ihrem Interesse an Magie, Psychologie und dem Unerklärlichen - Hilfsmittel, die dem Drang des Betrachters, eine Situationen vollkommen zu erfassen, nachkommen. Letztlich geht es darum, ein Gefühl der Unvollständigkeit zu überwinden, indem das Fehlende durch unsere Fantasie ausgefüllt wird. In ihren Filmen hat besonders der Ton, der meist in Zusammenarbeit mit Komponisten entsteht, eine suggestive Wirkung und unterstützt die Projektionen der Betrachter. Formal bewegen sich ihre Arbeiten in einem breiten Spektrum zwischen Archivmaterial, digitaler Manipulation und traditionell Gefilmtem. Ihre Art, im Buchformat zu arbeiten, spielt mit dem physischen Raum des Buches, mit den Leerstellen zwischen den Seiten und den Bildern - ähnlich wie die Montage bei Eisenstein - und ist in diesem Sinne vor allem filmisch.
Vita
Susanne Bürner, geboren 1970 in Ellwangen, absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin und Schriftsetzerin, bevor sie 1998 ihr Diplom an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe im Fachbereich Medienkunst absolvierte. Mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes setzte sie bis 1999 ihr Studium an der UC Los Angeles im Graduate Program in Fine Arts fort. Von 2001 - 2008 wurde sie von der Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin, vertreten. Sie zeigte ihre Arbeiten international in Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem im CAPC Bordeaux, Printed Matter New York, Hygiene-Museum Dresden, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Goethe Institut Hong Kong.
Susanne Bürner lebt und arbeitet in Berlin.
Donnerstag, 29.04.21
18.00 Uhr
Gäste sind willkommen.
Zugangslink bitte per Mail erfragen bei marlenevollmar(at)gmx.net