Im Rahmen der Ringvorlesung „Ideengeschichtliche Pfade“ halten Prof. Dr. Nora Sternfeld von der HFBK Hamburg und Oliver Marchart von der Universität Wien am 19. Mai 2025, 18.15 Uhr, einen Vortrag zum Thema „'Alle'. Eine politische und pädagogische Ideengeschichte“.

Alle sind nie alle. Auch wenn wir alle aufrufen wollen, bleibt immer jemand außen vor, ist jemand nicht mitgemeint. Diesen konstitutiven Ausschluss beschreibt Ernesto Laclau als Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus. Eine demokratische Idee von Volkssouveränität zielt, trotz dieser paradoxen Unmöglichkeit, auf den Einschluss „aller“ in die Kategorie des Volkes. Radikale Demokratie besteht also genau darin, das „konstitutive Außen“ zugleich anzuerkennen und im konkreten immer wieder auf einer Politik zu bestehen, in der, wie Jacques Rancière in „Das Unvernehmen“ schreibt, der Teil ohne Anteil seinen Anteil einfordert. Oliver Marchart und Nora Sternfeld gehen dem Begriff „Alle“ vor dem Hintergrund seiner Ausschlüsse aber auch seiner Bedeutung in Kämpfen um Gleichheit nach und fragen nach seinen politisch-theoretischen und pädagogischen Implikationen.

Nora Sternfeld ist Kunstvermittlerin und Kuratorin. Sie ist Professorin für Kunstpädagogik an der HFBK Hamburg und publiziert zu Kunst, Bildungstheorie, Ausstellungen, Geschichtspolitik und Antirassismus.

Oliver Marchart ist politischer Theoretiker. Er ist Professor für politische Theorie an der Universität Wien und publiziert unter anderem zum Verhältnis von Kunst und Politik.